Ein echter physikalischer Vorteil, eine harte wirtschaftliche Grenze. Beides gehört zusammen.
Eine klassische Heizung erwärmt zuerst die Luft. Die warme Luft steigt auf, kühlt an Wänden und Fenstern ab, sinkt wieder — und du sitzt in dieser Strömung. Eine Infrarotheizung macht etwas anderes: Sie gibt ihre Wärme als Strahlung ab und erwärmt damit die Flächen im Raum und deinen Körper direkt, nicht die Luft dazwischen.
Daraus folgt der Effekt, den die meisten als Erstes bemerken: Der Raum fühlt sich schon bei niedrigerer Lufttemperatur warm an, weil dein Wärmeempfinden nicht nur an der Lufttemperatur hängt, sondern auch an der Temperatur der Flächen um dich herum. Das ist der einzige wirklich physikalische Unterschied zu anderen Heizungen. Alles, was du sonst über Infrarot liest — die Vorteile wie die Nachteile — folgt entweder daraus oder aus der schlichten Tatsache, dass hier Strom heizt.
Eine Infrarotheizung wandelt Strom eins zu eins in Wärme um. Aus einer Kilowattstunde Strom wird eine Kilowattstunde Wärme, nichts geht verloren. Genau das steht auf vielen Verpackungen als „100 Prozent Wirkungsgrad“ — und es stimmt sogar. Nur ist es kein Verkaufsargument, sondern die Obergrenze.
Denn eine Wärmepumpe schlägt genau diese Grenze. Sie erzeugt Wärme nicht, sie transportiert sie: Aus einer Kilowattstunde Strom macht sie laut Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz drei bis vier Kilowattstunden Wärme, weil sie den größeren Teil davon als Umweltwärme aus Luft, Erdreich oder Wasser mitnimmt. Ein Feldtest des Fraunhofer ISE in bestehenden Gebäuden kam für Luft/Wasser-Wärmepumpen im Schnitt auf eine Jahresarbeitszahl von 3,4, für Erdwärmepumpen auf 4,3 – also Kilowattstunden Wärme je Kilowattstunde Strom übers Jahr. Ein Gerät, das bei eins zu eins stehen bleibt, kann dagegen nicht gewinnen.
Dazu kommt der Preis der Energie selbst. Laut Statistischem Bundesamt kostete Strom im 1. Halbjahr 2026 durchschnittlich 37,97 Cent je Kilowattstunde, Erdgas 11,58 Cent – Strom also gut das Dreifache. Die Cent-Beträge ändern sich mit jedem Tarifwechsel, das Verhältnis ist über die Jahre deutlich stabiler.
Beides zusammen ergibt den Satz, um den keine ehrliche Beratung herumkommt: Eine Infrarotheizung ist im Betrieb so teuer wie jede andere Stromdirektheizung – und deutlich teurer als Gas oder eine Wärmepumpe. Sie lohnt sich dort, wo wenig geheizt wird — nicht dort, wo viel geheizt wird.
Das ist kein Argument gegen das Gerät. Es ist ein Argument dagegen, es an der falschen Stelle einzusetzen. Wer die niedrige Anschaffung gegen die hohen Betriebskosten rechnet, kommt bei wenigen Betriebsstunden im Jahr sehr gut weg und bei Dauerbetrieb sehr schlecht.
Die Faustregel dahinter ist einfach: Je weniger Stunden ein Gerät im Jahr läuft, desto mehr zählt der günstige Kaufpreis und desto weniger der teure Strom. Typisch sind deshalb:
Ausdrücklich nicht geeignet ist der umgekehrte Fall: als Hauptheizung für ein schlecht gedämmtes Haus. Dort läuft das Gerät viele Stunden am Tag, und genau dann schlägt jede Kilowattstunde voll durch.
Die Einordnung bleibt bewusst qualitativ — Preise und Tarife veralten, das Verhältnis der Bauarten zueinander nicht:
| Heizart | Anschaffung | Betriebskosten | Wärme sofort da | Wartung |
|---|---|---|---|---|
| Infrarotheizung | niedrig | hoch | ja | keine |
| Heizlüfter | niedrig | hoch | ja | keine |
| Öl-Radiator | niedrig | hoch | nein | keine |
| Nachtspeicher | mittel | hoch | nein | gering |
| Wärmepumpe | hoch | niedrig | nein | regelmäßig |
Innerhalb der Stromheizungen ist Infrarot damit die angenehmste Variante — lautlos, staubfrei, sofort da. Günstiger im Betrieb wird sie dadurch nicht: Alle vier oberen Zeilen heizen mit Strom und liegen deshalb wirtschaftlich beieinander.
Weil jede Betriebsstunde teuer ist, entscheidet die richtige Auslegung stärker als bei jeder anderen Heizung. Und ausgerechnet hier sind die Herstellerangaben zu optimistisch: Die Geräte in unserem Vergleich, die überhaupt eine Raumgröße nennen, versprechen rechnerisch 32 bis 54 Watt je Quadratmeter. Als Faustregel nennt co2online je nach Dämmzustand etwa 60 bis 100; der ADAC nennt für Neubauten 40 bis 70, für sanierte Altbauten 60 bis 100. Unsere Stufen 60/80/100 sind eine eigene Vereinfachung – im unsanierten Altbau kann der Bedarf höher liegen.
Eine zu klein gewählte Heizung läuft dauerhaft auf Anschlag und wird nie warm, kostet aber trotzdem. Wie du die passende Leistung findest und worauf es sonst noch ankommt, steht in der Kaufberatung. Die Geräte selbst stehen im Vergleich nebeneinander.
Kurz gefasst: Infrarot heizt Flächen statt Luft — das macht den Raum bei niedrigerer Lufttemperatur behaglich und kostet weder Wartung noch großen Einbau. Bezahlt wird dieser Komfort mit Betriebskosten auf dem Niveau jeder Stromdirektheizung, deutlich über Gas und Wärmepumpe, weshalb sich eine Infrarotheizung überall dort lohnt, wo wenig geheizt wird, und nirgends dort, wo viel geheizt wird.