Start / Kaufberatung

Infrarotheizung kaufen: worauf es wirklich ankommt

Fünf Kriterien entscheiden — und das prominenteste auf dem Karton gehört nicht dazu.

1. Die Wattzahl — und warum die Quadratmeter-Angabe in die Irre führt

Auf fast jeder Verpackung steht eine Raumgröße: „für Räume bis 25 m²“. Diese Zahl ist die verlockendste und zugleich die unzuverlässigste Angabe der ganzen Kategorie.

Von den 15 Geräten in unserem Vergleich nennen 11 eine Fläche. Rechnet man sie gegen die Heizleistung, kommen zwischen 32 und 54 Watt je Quadratmeter heraus. Der Median liegt bei 40 W/m². Als Faustregel nennt co2online dagegen je nach Dämmzustand etwa 60 bis 100 Watt pro Quadratmeter; der ADAC nennt für Neubauten 40 bis 70, für sanierte Altbauten 60 bis 100. Unsere Stufen 60/80/100 im Rechner sind eine eigene Vereinfachung – im unsanierten Altbau kann der Bedarf höher liegen.

Das heißt nicht, dass die Hersteller lügen. Ihre Werte gelten für sehr gut gedämmte Räume und für den Einsatz als Zusatzheizung — also dort, wo schon eine andere Wärmequelle arbeitet. Wer den Raum allein mit Infrarot heizen will, sollte mit der Faustregel rechnen. Beim Marwona Marmor 800 W etwa werden aus „bis 25 m²“ dann realistisch 8 bis 13 m².

So verteilen sich die Angaben im Feld:

GerätLeistungFläche laut Herstellerergibt
Marwona Marmor 800 W800 W25 m²32,0 W/m²
Heidenfeld HF-HP100-3 300 W300 W8 m²37,5 W/m²
Heidenfeld HF-HP500 640 W640 W17 m²37,6 W/m²
Koenighaus P-Serie 1000 W1.000 W26 m²38,5 W/m²
Koenighaus Standgerät 1000 W1.000 W26 m²38,5 W/m²
Heidenfeld HF-HP100-3 1000 W1.000 W25 m²40,0 W/m²
Koenighaus P-Serie 1200 W1.200 W29 m²41,4 W/m²
VASNER Konvi 900 W900 W20 m²45,0 W/m²
STEINFELD Bildheizung 600 W600 W12 m²50,0 W/m²
Klarstein HeatPal Marble 1300 W1.300 W25 m²52,0 W/m²
Sundirect PE380 Plus380 W7 m²54,3 W/m²

Rechne deinen Bedarf lieber selbst aus — der Bedarfsrechner nimmt die Faustregel, nicht die Herstellerangabe.

2. Der Thermostat entscheidet über die Stromrechnung

Eine Infrarotheizung ohne Regelung läuft durch, solange Strom anliegt. Das ist kein Komfortdetail, sondern der größte Einzelposten im Betrieb. Im Vergleich bringen 11 von 15 Geräten eine Regelung mit, 4 kommen ohne beziehungsweise ohne belegbare Angabe.

  • Steckdosenthermostat — regelt, sitzt aber an der Steckdose. Der häufigste Fall.
  • Funkthermostat — misst dort, wo du sitzt, nicht an der heißen Platte.
  • Integriert — kein Zubehör nötig, misst aber am Gerät.
  • App/WLAN — Zeitpläne und Fernzugriff. Im Vergleich nur einmal vertreten.

Was eine Regelung ausmacht, lässt sich nur als Modell rechnen. In einer Modellrechnung mit unserer Annahme von 60 % Taktung – dazu 5 Heizstunden am Tag, 37 ct/kWh (Durchschnitt 2026 laut BDEW, Stand August 2026) und eine Heizperiode von 6 Monaten zu 30,4 Tagen – liegt ein geregeltes Paneel je nach Gerät 40,49 bis 175,47 Euro unter einem durchlaufenden. Gemessen ist das nicht: Wie viel ein Thermostat in deinem Raum ausmacht, hängt an Dämmung, Nutzung und Einstellung. Belegt ist als Orientierung, dass jedes Grad weniger Raumtemperatur laut Umweltbundesamt etwa sechs Prozent Heizenergie spart. Den Rechenweg je Leistungsstufe zeigt der Ratgeber Thermostat für die Infrarotheizung.

3. Schutzart: die Frage, ob das Gerät ins Bad darf

Entscheidend ist die zweite Ziffer der IP-Kennung — sie steht für den Schutz gegen Wasser. Steht dort mindestens eine 4 (IPX4), ist ein Gerät gegen Spritzwasser geschützt und im Bad einsetzbar – IP34 zählt also genauso wie IP44. Bei IP20 ist es das ausdrücklich nicht.

Im Vergleich sind 8 Geräte badtauglich (IP34, IP44 und IP54), bei 5 reicht der Wasserschutz nicht (IP20, IP22 und IP52), und bei 2 macht der Hersteller gar keine Angabe. Ohne Angabe gehört ein Gerät nicht ins Badezimmer — eine fehlende Kennung ist keine stillschweigende Erlaubnis.

4. Wandmontage oder Standgerät

Wandpaneele sind flacher, meist günstiger und fallen weniger auf. Sie brauchen aber eine Bohrung und einen tragfähigen Untergrund — bei den Natursteingeräten mit bis zu 22 Kilogramm ist das kein Detail, sondern die erste Frage. Standgeräte lassen sich zwischen Räumen schieben und sind in Mietwohnungen oft die einzige Möglichkeit.

5. Oberflächentemperatur und Garantie

Die belegten Oberflächenwerte im Feld reichen von 90 bis 125 °C. Höher ist dabei weder gut noch schlecht: Heißere Paneele bringen die Wärme schneller in den Raum, kühlere sind mit Kindern im Haushalt entspannter. Deshalb fließt dieser Wert bei uns nicht in die Wertung ein.

Die Garantiedauer schon: Sie reicht von 3 bis 10 Jahren, belegt bei 10 von 15 Geräten. Wie lange ein Hersteller selbst für sein Gerät geradesteht, ist eine der wenigen harten Aussagen in dieser Kategorie.

Kurz gefasst: Watt nach Faustregel rechnen, Thermostat mitdenken, IP-Kennung gegen den Aufstellort prüfen, Montageart nach Wohnsituation wählen. Die Quadratmeter auf dem Karton sind der schlechteste Ratgeber von allen.

Ob eine Infrarotheizung für deinen Raum überhaupt die richtige Heizart ist — und wo ihre wirtschaftliche Grenze liegt — klärt vorher Warum eine Infrarotheizung?

Wie aus diesen Kriterien eine Wertung wird, steht offen in der Methodik. Alle 15 Geräte stehen im Vergleich nebeneinander.