Infrarotheizung als Hauptheizung: Was kostet das im Jahr?
Veröffentlicht 11. Oktober 2026 · zuletzt geprüft 11. Oktober 2026
Ein ganzes Haus nur mit Infrarotpaneelen zu heizen, ist technisch kein Problem. Die Frage ist, was es kostet – und die lässt sich mit drei Zahlen beantworten: Wohnfläche, Wärmebedarf und Strompreis.
Kurz gesagt: Technisch geht es, die Rechnung geht selten auf. Eine Infrarotheizung macht aus einer Kilowattstunde Strom genau eine Kilowattstunde Wärme. Für 80 m² Wohnfläche mit 100 kWh Wärmebedarf je Quadratmeter sind das 8.000 kWh und bei 37 ct/kWh 2.960 € Stromkosten im Jahr – das 3,4-Fache einer Luft/Wasser-Wärmepumpe und das 3,1-Fache der Gaskosten für dieselbe Wärme. Sinnvoll ist es dort, wo ein Gebäude sehr wenig Wärme braucht.
Für Infrarot spricht die Anschaffung: kein Kessel, keine Rohre, kein Heizungsraum, kein Schornstein. Dagegen spricht der Betrieb. Wer beides gegeneinander abwägen will, braucht zuerst die Jahreskosten – und die folgen aus einer einzigen Multiplikation.
Die Rechnung
Stromkosten im Jahr = Wohnfläche × Wärmebedarf
je m² × Strompreis
Beispiel: 80 m² × 100 kWh = 8.000 kWh
Wärme = 8.000 kWh Strom × 37 ct =
2.960 €.
So einfach ist das, weil Strom-Direktheizungen den Strom laut Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz 1:1 in Wärme umwandeln. Es gibt keinen Kessel mit Verlusten, aber auch keinen Gewinn wie bei einer Wärmepumpe: Jede Kilowattstunde Wärme, die das Haus braucht, steht als Kilowattstunde Strom auf der Rechnung. Den Strompreis setzen wir mit 37 ct/kWh an (Durchschnitt 2026 laut BDEW, Stand August 2026) – derselbe Wert wie in unserem Rechner.
Die Zahl, die du kennen musst, ist der Wärmebedarf deines Gebäudes. Am genauesten steht er in der letzten Heizkostenabrechnung: Jahresverbrauch in Kilowattstunden geteilt durch die Wohnfläche. Wer bisher mit Gas oder Öl heizt, hat damit eine Obergrenze, weil ein Teil der Energie im Kessel verloren geht. Steckt in der Abrechnung auch das Warmwasser, gehört es trotzdem mitbedacht – eine Infrarotheizung erwärmt kein Wasser, dafür braucht es dann ein eigenes elektrisches Gerät.
Zur Einordnung hilft der Energieausweis. Laut Anlage 10 des Gebäudemodernisierungsgesetzes reicht Klasse A bis 50, Klasse C bis 100 und Klasse E bis 160 kWh Endenergie je Quadratmeter und Jahr. Diese Klassen beziehen sich auf die Gebäudenutzfläche statt auf die Wohnfläche und auf das Gebäude mit seiner bisherigen Heizung – sie ordnen ein, ersetzen die eigene Abrechnung aber nicht. Unsere Rechenstufen von 50, 100 und 150 kWh je Quadratmeter Wohnfläche sind eine eigene Vereinfachung.
Kosten im Jahr nach Wohnfläche
Die Tabelle rechnet die Formel für mehrere Wohnflächen und unsere Rechenstufen durch – links ein Gebäude mit sehr kleinem Wärmebedarf, rechts eines mit hohem:
| Wohnfläche | 50 kWh/m² | 100 kWh/m² | 150 kWh/m² |
|---|---|---|---|
| 50 m² | 925 € | 1.850 € | 2.775 € |
| 80 m² | 1.480 € | 2.960 € | 4.440 € |
| 100 m² | 1.850 € | 3.700 € | 5.550 € |
| 120 m² | 2.220 € | 4.440 € | 6.660 € |
| 150 m² | 2.775 € | 5.550 € | 8.325 € |
Stromkosten im Jahr, wenn die gesamte Wärme aus Infrarotheizungen kommt: Wohnfläche × Wärmebedarf × 37 ct/kWh (Durchschnitt 2026 laut BDEW, Stand August 2026). Die drei Spalten sind eigene Rechenstufen für den Wärmebedarf je Quadratmeter und Jahr. Ohne Warmwasser, ohne Grundpreis des Stromtarifs, auf ganze Euro kaufmännisch gerundet.
Im Beispiel von oben – 80 m², 100 kWh je Quadratmeter – sind das 2.960 € im Jahr oder im Mittel rund 247 € im Monat. Das Mittel täuscht allerdings: Fast alles davon fällt in der Heizperiode an.
Wer die Zahlen aus unserem Ratgeber zum Stromverbrauch kennt, wundert sich vielleicht über den Abstand. Dort rechnen wir ein einzelnes Paneel mit 5 Betriebsstunden am Tag – den Fall „Zuheizen“. Als Hauptheizung läuft die Anlage, solange das Haus Wärme verliert; deshalb rechnet diese Seite über den Wärmebedarf des ganzen Jahres.
Gegen Gas und Wärmepumpe gerechnet
Dieselbe Wärmemenge, drei Wege dorthin:
| Heizung | Energie für 8.000 kWh Wärme | Preis je kWh | Kosten im Jahr | je kWh Wärme |
|---|---|---|---|---|
| Infrarotheizung | 8.000 kWh Strom | 37 ct | 2.960 € | 37,0 ct |
| Luft/Wasser-Wärmepumpe (JAZ 3,4) | 2.353 kWh Strom | 37 ct | 871 € | 10,9 ct |
| Gasheizung | 8.000 kWh Gas | 11,93 ct | 954 € | 11,9 ct |
Beispiel: 80 m² × 100 kWh Wärme je m² und Jahr. Strom 37 ct/kWh (Durchschnitt 2026 laut BDEW, Stand August 2026); Erdgas 11,93 ct/kWh (Einfamilienhaus, Durchschnitt 2026 laut BDEW-Gaspreisanalyse, Stand August 2026); Jahresarbeitszahl 3,4 = Durchschnitt der Luft/Wasser-Wärmepumpen im Feldversuch des Fraunhofer ISE in Bestandsgebäuden (3. November 2025). Reine Energiekosten: Die Wärmepumpe ist mit Haushaltsstrom gerechnet, die Gasheizung ohne Kesselverluste – sie braucht in Wirklichkeit mehr Gas, als hier steht. Anschaffung, Wartung und Grundpreise sind nicht enthalten. Auf ganze Euro kaufmännisch gerundet.
Der Abstand ist keine Frage von ein paar Prozent. Eine Luft/Wasser-Wärmepumpe macht im Durchschnitt des Fraunhofer-Feldversuchs aus einer Kilowattstunde Strom 3,4 Kilowattstunden Wärme; ihre Wärme kostet damit 10,9 ct je Kilowattstunde statt 37. Erdgas kostet je Kilowattstunde 11,93 ct – Strom das 3,1-Fache. Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz kommt zum selben Verhältnis: Wärme aus Strom koste im Betrieb etwa drei- bis viermal so viel wie Wärme aus einer Gas-, Öl- oder Holzheizung.
Im Beispiel zahlt die Infrarotheizung 2.089 € im Jahr mehr als die Wärmepumpe und 2.006 € mehr als die Gasheizung. Das ist der Betrag, den die günstigere Anschaffung Jahr für Jahr wieder hereinholen müsste. Je kleiner der Wärmebedarf, desto kleiner wird diese Lücke: Sie wächst und schrumpft im selben Verhältnis wie der Verbrauch. Dazu kommt: Für Infrarotheizungen gibt es laut co2online keine Förderprogramme.
Wie viele Paneele das wären
Die Leistung folgt der Faustregel aus unserem Ratgeber Watt pro Quadratmeter: laut co2online je nach Dämmzustand etwa 60 bis 100 Watt je Quadratmeter. Mit unserer mittleren Stufe von 80 W/m² braucht eine Wohnfläche von 80 m² rund 6.400 Watt. Das stärkste Gerät in unserem Vergleich – Klarstein HeatPal Marble 1300 W – leistet 1.300 Watt; rechnerisch wären das 5 Paneele dieser Größe, in der Praxis eher mehr und kleinere, weil jeder Raum sein eigenes Paneel braucht.
Zwei Dinge gehören bei einer Vollausstattung dazu, die bei einem einzelnen Paneel keine Rolle spielen. Die Elektroinstallation muss diese Leistung auf mehreren Stromkreisen tragen – das plant und prüft die Elektrofachkraft. Und jeder Raum braucht eine eigene Regelung, sonst läuft die Anlage durch; was die Bauarten unterscheidet, steht unter Thermostat für die Infrarotheizung.
Ist das überhaupt zulässig?
Für bestehende Wohngebäude regelt das § 46 des Gebäudemodernisierungsgesetzes („Einbau einer Stromdirektheizung“):
- In ein bestehendes Gebäude mit Wohnungen darf eine Stromdirektheizung nur eingebaut werden, wenn das Gebäude die Anforderungen an den baulichen Wärmeschutz um mindestens 30 Prozent unterschreitet – also spürbar besser gedämmt ist, als das Gesetz verlangt.
- Das gilt nicht in einem Gebäude mit höchstens zwei Wohnungen, von denen der Eigentümer eine selbst bewohnt.
- Es gilt auch nicht, wenn eine bestehende Einzelraum-Stromdirektheizung ausgetauscht wird.
Gesetzestext abgerufen am 11. Oktober 2026. Wir sind keine Rechtsberatung. co2online weist außerdem darauf hin, dass Infrarotheizungen in einigen Bundesländern nicht als alleinige Wärmequelle zugelassen sind. Vor einer Komplettumstellung gehört die Frage zum Bauamt oder in die Energieberatung.
Wann es trotzdem aufgeht
- Sehr gut gedämmte Gebäude. Laut co2online können Infrarotheizungen in hochgedämmten Gebäuden ein herkömmliches Heizsystem unter Umständen ganz ersetzen; die Voraussetzungen seien aber sehr genau zu prüfen. In der Tabelle oben ist das die linke Spalte.
- Selten genutzte Räume und Gebäude. Ferienhaus, Gästezimmer, Hobbyraum: Wo nur an wenigen Tagen geheizt wird, zählt die günstige Anschaffung mehr als der Preis je Kilowattstunde. co2online nennt selten beheizte Räume und die Ergänzung eines bestehenden Heizsystems als passende Einsatzfälle.
- Mit eigener Photovoltaik. co2online verweist auf eine Untersuchung der Hochschule Konstanz, nach der Infrarot zusammen mit PV-Anlage und dezentraler Warmwasserbereitung wirtschaftlicher sein kann als eine Luft-Wärmepumpe – und hält zugleich fest, dass ohne PV-Anlage die Wärmepumpe besser abschneidet.
Erst einen Raum durchrechnen?
Fläche, Raumhöhe und Dämmung eingeben – der Rechner nennt Watt und Stromkosten für ein einzelnes Zimmer.
In Kürze
- Stromkosten im Jahr = Wohnfläche × Wärmebedarf je m² × Strompreis; bei 80 m² und 100 kWh je Quadratmeter sind das 2.960 € (37 ct/kWh (Durchschnitt 2026 laut BDEW, Stand August 2026)).
- Dieselbe Wärme kostet mit einer Luft/Wasser-Wärmepumpe 871 € und mit Gas 954 € reine Energiekosten – Infrarot liegt beim 3,4- beziehungsweise 3,1-Fachen.
- Für bestehende Wohngebäude gilt § 46 Gebäudemodernisierungsgesetz: Einbau nur bei deutlich besserem Wärmeschutz, mit Ausnahmen für selbst bewohnte Ein- und Zweifamilienhäuser und den Austausch vorhandener Geräte.
- Auf geht die Rechnung bei sehr kleinem Wärmebedarf, seltener Nutzung oder eigenem Solarstrom – sonst ist Infrarot die Heizung für einzelne Räume.
Quellen
- BDEW – Strompreisanalyse: durchschnittlicher Strompreis für Haushalte, unsere Vorgabe von 37 ct/kWh (Durchschnitt 2026 laut BDEW, Stand August 2026).
- BDEW – Gaspreisanalyse August 2026: Erdgas für Einfamilienhäuser 2026 bislang durchschnittlich 11,93 ct/kWh. 24. August 2026. bdew.de
- Fraunhofer ISE – Presseinformation zum Wärmepumpen-Feldversuch in Bestandsgebäuden: Luft/Wasser-Wärmepumpen im Durchschnitt Jahresarbeitszahl 3,4. 3. November 2025. ise.fraunhofer.de
- Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz – Heizen mit Strom-Direktheizungen: Umwandlung 1:1, Betriebskosten je Kilowattstunde Wärme etwa drei- bis viermal so hoch wie bei Gas, Öl oder Holz. Ohne Datumsangabe. verbraucherzentrale-rlp.de
- Gebäudemodernisierungsgesetz – § 46 „Einbau einer Stromdirektheizung“. gesetze-im-internet.de
- Gebäudemodernisierungsgesetz – Anlage 10 „Energieeffizienzklassen von Wohngebäuden“. gesetze-im-internet.de
- co2online – Infrarotheizung: 60 bis 100 Watt je Quadratmeter, keine Förderprogramme, Einsatz in hochgedämmten Gebäuden, Vergleich mit der Wärmepumpe mit und ohne Photovoltaik. co2online.de
Alle Quellen abgerufen am 11. Oktober 2026.
Häufige Fragen
Kann man mit einer Infrarotheizung ein ganzes Haus heizen?
Technisch ja: Mit genug Leistung in jedem Raum wird ein Haus warm. Die Frage ist der Preis. Eine Infrarotheizung macht aus einer Kilowattstunde Strom eine Kilowattstunde Wärme; bei 80 Quadratmetern Wohnfläche und 100 Kilowattstunden Wärmebedarf je Quadratmeter sind das 8.000 Kilowattstunden und bei 37 Cent je Kilowattstunde (Durchschnitt 2026 laut BDEW, Stand August 2026) 2.960 Euro im Jahr. Sinnvoll ist das vor allem in sehr gut gedämmten oder selten genutzten Gebäuden.
Was kostet eine Infrarotheizung für 80 qm im Jahr?
Als alleinige Heizung und mit 37 Cent je Kilowattstunde gerechnet: 1.480 Euro bei 50 Kilowattstunden Wärmebedarf je Quadratmeter, 2.960 Euro bei 100 und 4.440 Euro bei 150. Die Rechnung ist Wohnfläche mal Wärmebedarf mal Strompreis, ohne Warmwasser. Den eigenen Wärmebedarf liest du aus der letzten Heizkostenabrechnung ab.
Was kostet eine Infrarotheizung für 100 qm im Jahr?
Als alleinige Heizung und mit 37 Cent je Kilowattstunde gerechnet: 1.850 Euro bei 50 Kilowattstunden Wärmebedarf je Quadratmeter, 3.700 Euro bei 100 und 5.550 Euro bei 150. Welche Stufe passt, zeigt die letzte Heizkostenabrechnung: Jahresverbrauch geteilt durch die Wohnfläche.
Ist eine Infrarotheizung als Hauptheizung zulässig?
In bestehenden Wohngebäuden nur unter Bedingungen. Nach § 46 des Gebäudemodernisierungsgesetzes darf eine Stromdirektheizung dort nur eingebaut werden, wenn das Gebäude die Anforderungen an den baulichen Wärmeschutz um mindestens 30 Prozent unterschreitet. Ausgenommen sind Gebäude mit höchstens zwei Wohnungen, von denen der Eigentümer eine selbst bewohnt, und der Austausch einer bestehenden Einzelraum-Stromdirektheizung. Das ist der Gesetzestext mit Abruf vom 11. Oktober 2026 und keine Rechtsberatung.
Ist eine Infrarotheizung günstiger als eine Gasheizung?
In der Anschaffung meist ja, im Betrieb nein. Erdgas kostet im Durchschnitt 2026 laut BDEW-Gaspreisanalyse 11,93 Cent je Kilowattstunde, Strom 37 Cent – das 3,1-Fache. Für 8.000 Kilowattstunden Wärme sind das 954 Euro Gas gegenüber 2.960 Euro Strom im Jahr. Die Kesselverluste der Gasheizung sind dabei nicht eingerechnet; der Abstand wird durch sie etwas kleiner, bleibt aber groß.
Wie viele Infrarotheizungen braucht man für eine ganze Wohnung?
Maßgeblich ist die Leistung, nicht die Stückzahl. Laut co2online werden je nach Dämmzustand etwa 60 bis 100 Watt je Quadratmeter Wohnfläche gebraucht. Mit 80 Watt je Quadratmeter gerechnet, kommen 80 Quadratmeter auf rund 6.400 Watt. Verteilt wird das auf jeden Raum einzeln – und jeder Raum braucht eine eigene Regelung.
Lohnt sich eine Infrarotheizung als Hauptheizung mit Photovoltaik?
Sie verbessert die Rechnung, dreht sie aber nicht von allein. co2online verweist auf eine Untersuchung der Hochschule Konstanz, nach der Infrarot mit PV-Anlage und dezentraler Warmwasserbereitung wirtschaftlicher sein kann als eine Luft-Wärmepumpe – und hält fest, dass ohne PV-Anlage die Wärmepumpe besser abschneidet. Entscheidend ist, wie viel Solarstrom in den Heizmonaten tatsächlich anfällt.
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